Phase 1: Wir hören zu und schauen hin
Was bewegt Menschen? Was erwarten sie von Kirche und Glauben? In Phase 1 haben wir bewusst unterschiedliche Perspektiven wahrgenommen und Erkenntnisse der Kirchenmitgliedschaftsuntersuchung einbezogen.
Informationen aus Phase 1: Wir hören zu und schauen hin
Vielfältige Stimmen und ehrliche Perspektiven
Bei zwei öffentlichen Abenden im Rahmen des Zukunftsprozesses im Dekanatsbezirk Ingolstadt haben Menschen sehr offen ihre Sicht auf Kirche und Glauben geteilt. Die Aussagen waren bewusst nicht als Bewertung gedacht, sondern als ehrliche Rückmeldungen – persönlich, widersprüchlich, herausfordernd.
In der Auswertung haben sich unter anderem folgende Gedanken verdichtet:
- „Wenn ich krank bin, gehe ich zum Arzt, wenn ich Kummer habe, gehe ich in die Kirche.“
- „Man sollte sich nicht mehr schämen müssen, weil Kirche nicht modern ist.“
- „In der Jugend ist Kirche nicht mehr präsent.“
- „Gläubig zu sein ist altbacken.“
- „Kirchen als Orte der Meditation sind wichtig, Gottesdienste nicht.“
- „Die evangelische Kirche steht für Flexibilität und das Ermöglichen.“
- „Glaube ist ein Thema, die Institution Kirche spielt jedoch eine untergeordnete Rolle.“
- „Der Schlüsselbegriff ist Vertrauen.“
- „Das Verhältnis zur Kirche definiert sich über Menschen, die für sie stehen.“
- „Ein Marketingspezialist würde empfehlen, den Begriff Kirche möglichst wenig zu verwenden.“
- „Kirche ist meine Heimat, auch als Zaungast.“
- „Kirchenräume sind deshalb so wichtig, weil es Räume jenseits der Ökonomie sind.“
- „Kirche soll zeitgemäß da sein, wenn nötig. Dazwischen ist sie nicht wirklich wichtig.“
Diese Sammlung ist nicht vollständig, zeigt aber die Spannbreite dessen, was Menschen heute mit Kirche verbinden
Für die Weiterarbeit im Zukunftsprozess sind diese Stimmen kein Stimmungsbarometer, sondern Arbeitsgrundlage.
Wie ticken Evangelische?
Was sagen die Erwartungen, Einstellungen und Erfahrungen von Menschen über die Zukunft kirchlicher Arbeit vor Ort aus?
Die Sechste Kirchenmitgliedschaftsuntersuchung (KMU6), herausgegeben von der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD), liefert dazu aktuelle empirische Erkenntnisse.
Auf ihrer Grundlage wurde eine „Typologie evangelischer Kirchenmitglieder“ entwickelt – ergänzt durch eine vertiefende Begleitstudie. Dieses Modell unterstützt uns dabei, unterschiedliche Haltungen besser zu verstehen.
Die folgenden Typen sind keine Schubladen, in die Menschen einsortiert werden, sondern statistisch gebildete Verdichtungen typischer Haltungen, Interessen und Lebenswirklichkeiten. Jede „Persona“ steht stellvertretend für Muster, die in der Kirchenmitgliedschaftsuntersuchung sichtbar geworden sind – kein Mensch entspricht einem Typ vollständig, viele erkennen sich aber in einzelnen Aspekten wieder.
Die Typologie versteht sich deshalb als Sehhilfe: Sie soll helfen, die Vielfalt evangelischer Mitglieder besser wahrzunehmen und kirchliches Handeln bewusster an unterschiedlichen Erwartungen und Bedürfnissen auszurichten.
Die Gesellschaftlich-Verantwortungsbewusste ist stark im Gemeinwesen verankert. Sie engagiert sich ehrenamtlich, lebt nachhaltig, ist gebildet und offen für geistige Impulse. Ihr Glaube ist praxisnah und sozial motiviert. Kirche hat für sie Relevanz – nicht aus Gründen christlicher Lehrinhalte, sondern aus gesellschaftlichen Gründen.
- Aufmerksamkeit: Kirche begegnet ihr in Medien, Bildungsdiskursen, zivilgesellschaftlichen Zusammenhängen.
- Interesse: Sie prüft kritsch, ob Kirche ihrer Verantwortung gerecht wird.
- Engagement/Aktiv werden: Aktiv in Kantorei, Lesekreis, Ehrenamt, Veranstaltungen zu sozialen Themen.
- Nutzung: Kirche ist für sie Raum für Austausch, Werteklärung und Engagement.
- Bindung: Rational begründete Zugehörigkeit, abhängig von Glaubwürdigkeit.
- Empfehlung/Weitergabe: Weiterempfehlung bei Haltung und Relevanz.
- Veränderung/Übergang: Rückzug bei Enttäuschung, ohne Bruch der Grundsympathie.
Die Ereignisorientiert-Empfindsamen leben für besondere Momente – sie lieben Rituale, Erlebnisse und emotionale Höhepunkte. Dabei stehen sie der Kirche als Institution eher distanziert gegenüber, finden aber in christlichen Feiertagen oder kulturellen Formen durchaus spirituelle Resonanz.
- Aufmerksamkeit: Weihnachten, Hochzeiten, schöne Momente auf Social Media; auf diese Art und Weise begegnen sie Kirche.
- Interesse: Spontan, stmmungsabhängig, nicht rational gesteuert.
- Engagement/Aktiv werden: Hochzeit, Taufe, Familiensegen, meist mit Eventcharakter.
- Nutzung: Pop-up-Gottesdienste, Musik, Atmosphäre, Gefühl.
- Bindung: Keine dauerhafte Bindung.
- Empfehlung/Weitergabe: Wenn es schön war, wird es erzählt, sonst vergessen.
- Veränderung/Übergang: Eher episodisch; keine lineare Reise.
Die Modern-Pragmatischen stehen Religion und Kirche offen gegenüber, ohne fest gebunden zu sein.
Sie schätzen Rituale wie Feiertage und Kasualien und integrieren diese selbstverständlich in ihren Lebensalltag. Sie sind gut informiert, medienaffin
und sozial engagiert – mit einem pragmatischen Blick aufs Leben.
- Aufmerksamkeit: Kontakt durch Kita, Sportverein, Nachbarschaft.
- Interesse: Interesse an Angeboten mit familiärem Nutzen.
- Engagement/Aktiv werden: Teilnahme an Festen, Kasualien, Engagement im Kirchbauverein.
- Nutzung: Digitale Impulse, Café-Kirche, Familiengottesdienste, wenn praktikabel.
- Bindung: Situationsabhängige Bindung. Familie steht im Zentrum.
- Empfehlung/Weitergabe: Empfehlungen im Freundeskreis, wenn Nutzen stimmt.
- Veränderung/Übergang: Mit den Kindern oder beruflicher Veränderung wandelt sich der Kontakt.
Die Gesetzt-Zurückhaltenden interessieren sich stärker für gesellschaftliche als persönliche Themen.
Sie nutzen klassische Medien und bevorzugen ein ruhiges und strukturiertes Leben – mit hoher Wertschätzung für Gemeinschaft, Verlässlichkeit und Tradition.
- Aufmerksamkeit: Durch Lokalzeitung, öffentlich-rechtlichen Rundfunk.
- Interesse: Erwartung von Verlässlichkeit, keine Experimente.
- Engagement/Aktivwerden: Teilnahme an Kasualien, Friedhofsgänge, lokale Gemeinde.
- Nutzung: Wenn Kirche ruhig, verlässlich und würdevoll ist, nehmen sie teil.
- Bindung: Passive Kontinuität, solange Kirche nicht irritert.
- Empfehlung/Weitergabe: Wohlwollende Duldung, keine aktive Weitergabe.
- Veränderung/Übergang: Stiller Rückzug, ohne Austritt, bisweilen Traditionsbindung.
Die Religiös-Verbundenen leben eine tiefe, meist traditionell verwurzelte Glaubenspraxis. Sie sind loyal zur Kirche, suchen spirituelle Orientierung und sind in ihren Gemeinden verwurzelt. Ihr Glaube zeigt sich sowohl in der Teilnahme am kirchlichen Leben als auch im privaten Alltag. Sie schätzen religiöse Rituale, geistliche Impulse und eine klare moralische Haltung seitens der Kirche.
- Aufmerksamkeit: Feiertage, Kirchenmusik, Bibelkreise, all das prägt ihre Wahrnehmung von Kirche seit der Kindheit.
- Interesse: Für sie ist Kirche nicht ein Angebot unter vielen, sondern ein zentraler Teil ihres
Lebens. - Engagement/Aktiv werden: Sie leitet einen Hauskreis, engagiert sich im Besuchsdienst, ist regelmäßig im Gottesdienst.
- Nutzung: Die Kirche bietet ihr spirituelle Tiefe und Struktur im Jahreslauf.
- Bindung: Ihre Mitgliedschaft ist selbstverständlich. Sie trägt Kirche mit.
- Empfehlung/Weitergabe: Sie wirbt im Freundeskreis und wirkt als Synodale mit.
- Veränderung/Übergang: Ihr Engagement wandelt sich mit dem Lebensabschnitt, die Bindung bleibt.
Die Gleichgültig-Distanzierten sind zumeist jung und nutzen dementsprechend soziale Netzwerke und Streaming- Inhalte stark überdurchschnittlich. Fragen von Religion und Sinnsuche sind für sie in ihrer Lebensphase aktuell kaum relevant.
Der Kirche als Institution und auch gesellschaftlichen Themen stehen sie mit großer Distanz gegenüber. Oft sind sie formal noch Mitglieder, aber innerlich längst ausgetreten.
- Aufmerksamkeit: Kennt Kirche aus Schulzeit oder familiären Kontexten.
- Interesse: Spielt keine Rolle; kein Interesse, keine Abwägung.
- Engagement/Aktiv werden: Höchstens bei Familienfesten aus sozialem Druck.
- Nutzung: Oberflächliche, einmalige Berührungspunkte.
- Bindung: Nicht vorhanden.
- Empfehlung/Weitergabe: Keine.
- Veränderung/Übergang: Austritt oder Karteileiche, oft aus Kostengründen.
Die nächsten Veranstaltungen
Bei vielen unterschiedlichen Veranstaltungen kommen wir ins Gespräch und entwickeln Ideen für die "Kirche der Zukunft der Kirche". Sie können und sollen sich gerne einbringen!

Wir entwickeln Szenarien: Workshoptag (1)
Wie kann die evangelische Kirche im Dekanatsbezirk Ingolstadt auch künftig ihren Auftrag erfüllen? Gemeinsam denken wir verschiedene Möglichkeiten durch und entwickeln Zukunftsszenarien als Grundlage für die weitere Arbeit.

Wir entwickeln Szenarien: Workshoptag (2)
Die ersten Ideen und Szenarien werden weiterentwickelt, ergänzt und miteinander ins Gespräch gebracht. Gemeinsam prüfen wir, welche Chancen, Herausforderungen und Konsequenzen sich aus unterschiedlichen Zukunftsbildern ergeben.

Wir entwickeln Szenarien: Workshoptag (3)
Die in den Arbeitsgruppen und Workshops entwickelten Szenarien werden gemeinsam diskutiert. Unterschiedliche Ansätze werden sichtbar gemacht und weiterentwickelt.

Wir entscheiden uns. Workshoptag
Die in der Szenarienphase erarbeiteten Zukunftsbilder werden nochmals betrachtet und es wird eine Entscheidung getroffen. Diese dient als Votum für den Dekanatsausschuss.
Vergangene Veranstaltungen
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